Pädagogisches Konzept

„Hilf mir, es selbst zu tun.“
Maria Montessori

1. Eingewöhnung, miteinander vertraut werden

Wir sprechen wegen der Vertrautheit des Begriffes „Eingewöhnung“, von der Eingewöhnungsphase.
Allerdings verstehen wir diese Zeit als ein „Miteinander vertraut werden“. Diese Phase dient sowohl Ihrem Kind, als auch Ihnen und uns, um uns kennen zu lernen,
Vertrauen aufzubauen und uns gegenseitig über unsere Erziehungsvorstellungen aus zu tauschen.
Diese erste Zeit liegt uns besonders am Herzen.
In der Eingewöhnungszeit (ca. 2-3 Wochen, angelehnt ans Münchner Modell) geben wir dem Kind ausreichend Zeit sich mit der neuen Situation vertraut zu machen.
Die Anwesenheit eines Elternteils unterstützt diesen Prozess.
Die vertraute Person bietet dem Kind eine sichere Basis, so kann es sich ohne Verlustangst der neuen Umgebung, der noch fremden Bezugsperson und den anderen Kinder zuwenden.
In dieser Zeit haben Sie als Eltern die Möglichkeit sich mit unserer Arbeit vertraut zu machen, uns als neue Beziehungsperson des Kindes zu erleben und sich über die neue Eigenständigkeit des Kindes zu freuen.
Unsere fachliche Erfahrung unterstützt uns in der Grundannahme, dass eine gelungene, emotional positiv begleitete Eingewöhnung für das Kind hinsichtlich auf seine weitere Exploration in einer Gruppe (Kindergarten, Schule usw.) von enormer Bedeutung ist.
Diese erste gemeinsame Zeit ebnet den Weg für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, zwischen Ihnen als Familie und der Kindertagespflegegruppe.

2. Spiel

„Spiel ist nicht Spielerei, es hat hohen Ernst und tiefe Bedeutung.“
Friedrich ilhelm August Fröbel (1782-1852), Pädagoge, Erfinder des Kindergartnes (nachzulesen im Orientierungsplan BaWü, Seite 32).

Das freie Spiel hat in unserer Arbeit einen zentralen Platz.
Im Kindesalter ist das Spiel die Grundlage allen Lernens.
Das Kind nähert sich der Welt spielend, verarbeitet Erlebtes und
hat im Spiel die Möglichkeit tiefe Freude zu empfinden.
Diesen wichtigen Erfahrungen geben wir viel Zeit und Raum.
In einer Zeit, in der Kinder sich immer früher von Außen gestellten Aufgaben widmen sollen,(möglichst schnelle motorische Entwicklung ,möglichst frühes Erlernen einer zweiten Sprache u.ä. Anforderungen) , vertrauen wir auf die Neugier des Kindes ,sich in seinem eigenen Tempo durch das Spiel mit sich selbst und seiner Umwelt vertraut zu machen.
Wir stellen den Kindern vorbereitete Räume zur Verfügung, in denen sie sich ausprobieren dürfen, Erfahrungen sammeln können und Zeit haben, zum Experimentieren mit verschiedenen Materialien.
So kommen sie mit sich selber und anderen Kindern in einen guten Kontakt.

3. Bildung

„Liebe Eltern, wenn ein Kind nach Hause kommt und erzählt es habe
heute viel gelernt, seien sie vorsichtig, weil das Kind möglicherweise
nur wenig gelernt hat. Kommt das Kind hingegen nach Hause und
berichtet, dass heute gut gespielt wurde, dann dürfen Sie zufrieden
sein, weil ihr Kind mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr viel gelernt hat.“
Zoltan Kodaly, ungarischer Musikpädagoge u. Komponist.
(Nachzulesen im Orientierungsplan BaWü, Seite 33)

Wir gehen davon aus , das Kinder von Anfang an kompetente Wesen sind, die danach streben zu lernen.
In Selbstbildungsprozessen eignen Kinder sich stets neues Wissen an, indem sie ausprobieren, über Versuch und Irrtum lernen, beobachten und nachahmen.
Das heißt für uns, die Entwicklungsschritte sensibel zu beobachten und zu begleiten.
Bildung begreifen wir als einen ganzheitlichen Prozess, der nicht nur auf die kognitive Entwicklung des Kindes beschränkt ist, sondern , der ebenso die Entwicklung der emotionalen Intelligenz, des Selbstbewusstseins sowie kreative, musische und künstlerische Bildung mit einschließt.
Die Förderung des Spracherwerbs geschieht bei uns im Alltag durch gemeinsames Sprechen in allen sich bietenden Situationen (z.B. bei Mahlzeiten, beim Anziehen, beim Spielen usw.),Kennenlernen von Reimen, Liedern und Fingerspielen.
Mit Geschichtensäckchen erzählen wir Geschichten, mit den immer gleichen Worten, visualisieren diese mit wenigen Gegenständen, Figuren o.ä. So können die Kinder kleine Geschichten hören und bald auswendig mitsprechen. Das Betrachten und Vorlesen von
Bilderbüchern gehört zum festen Bestandteil der sprachlichen Bildung.
Wir warten bei allen Bildungsprozessen ab , bis die Kinder Dinge allein gelernt haben und schmälern Erfolgserlebnisse nicht durch vorschnelles Eingreifen.
Somit ergänzen in unserer KTPG das familiäre Bildungsangebot.

4. Spielmaterial

In unserem vorbereiteten Raum treffen Kinder auf altersgemäßes Spielmaterial.
Die Kinder können sowohl mit strukturiertem als auch
unstrukturiertem Material Erfahrungen machen (Bauklötze, Kugelbahn, Utensilien für erste Rollenspiele / Naturmaterial, schräge Ebenen, u.v.m.).
Das Material ist nicht auf seine ursprüngliche Funktion
festgelegt (Wäscheklammern können zu Schlangen
werden, genau so gut können sie am Wäscheständer
Seilbahn fahren…).
Unser Material regt zum Experimentieren an (Wasser, Sand, Farbe).

5. Rituale

Durch wiederkehrende Elemente geben wir den Kindern Orientierung im Tagesablauf (feste Abläufe beim Aufräumen, Händewaschen usw. gemeinsames Essen, Lieder, Verse,
Abschiedsritual. )
Geburtstage begehen wir mit einem Ritual, als festes Element dienen Geburtstagskerzen und ein Geburtstagslied.
Die gemeinsame Frühstücksrunde eröffnen wir mit einem kleinen Spruch , einem Gebet oder reichen einander die Hände, zum „ Guten Appetit“ wünschen.

6. Umgang mit Emotionen

Wenn du glücklich bist, dann klatsch mal in die Hand.
Ja du kannst es allen zeigen, musst Gefühle nicht verschweigen,
Wenn du glücklich bist dann klatsch mal in die Hand!
(Kinderlied)

Kinder dürfen bei uns Emotionen zeigen. Wir ermutigen Kinder, auch Gefühlen wie Wut, Schmerz und Trauer Raum zu geben. Wir benennen Gefühle bei ihrem Namen und helfen den Kindern dadurch, diese als zu ihnen gehörend und ganz normal zu erleben (oberstes Gebot ist Gewaltlosigkeit, auch bei Wut darf niemand geschlagen werden).
Den Kindern steht zur Verarbeitung belastender Gefühle, Material bzw. Raum zu Verfügung (Knete zum Spannungsabbau, große Sitzsäcke zum Hineinspringen, genug Platz zum Rennen u.a.).
Gemeinsam mit den Kinder zu lachen ist uns ein wichtiges Anliegen. Es spiegelt unsere positiven Emotionen und unterstützt die körperliche und seelische Gesundheit.

7. Rolle der erwachsenen Betreuungspersonen

„Lasst uns aufeinander achten und uns zur Liebe und zu guten Taten anspornen.“
Die Bibel, Hebräer. 10, Vers 24

Für die äußere und innere Sicherheit der Kinder fühlen wir uns zuständig, in dem wir uns als Begleitende der Kinder in ihren Spiel -,
Bildungs ,- und Entwicklungsprozessen verstehen. Wir begegnen der individuellen Entwicklung jedes Kindes mit Respekt und
sehen wertschätzend auf neue Entwicklungsschritte.
Um die innere Sicherheit Ihres Kindes zu schützen, achten wir z.B. in Wickelsituationen auf einen respektvollen Umgang mit der
Intimsphäre der Kinder (wenn Kinder beim Wickeln keine anderen Kinder als Zuschauer dabei habe möchten, akzeptieren wir das
selbstverständlich).
Die äußere Sicherheit gewährleisten wir durch die Betreuung in kindgemäß gestalteten Räumen, die regelmäßig auf ihre Sicherheit überprüft werden.
Im Team geben wir uns gegenseitig Rückmeldung, wie wir die Anderen in der Arbeit mit den Kindern wahrnehmen. Regelmäßige
Fortbildungen gehören zum Konzept.
Alle Betreuenden nehmen regelmäßig an Erste Hilfe Kursen teil.
Die pädagogische Arbeit wird durch regelmäßiges Coaching des Teams, durch eine erfahrene Fachkraft weiterentwickelt.

8. Rolle der Eltern

„Die Bedingung, damit Kinder ein gesundes Selbstgefühl entwickeln können ,ist nicht, dass ihre Eltern eines haben, bevor sie Kinder in die Welt setzen. Es verlangt nur genügend Offenheit von den Eltern, um ihr Selbstgefühl zusammen mit den Kindern weiterzuentwickeln, und zwar gleichzeitig damit, wie die Kinder ihres entwickeln.“
Jesper Juul

Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit ist uns wichtig. Wir sind mit Eltern täglich in Tür und Angelgesprächen im Austausch, über die aktuell wichtigen Gegebenheiten das Kind betreffend. An Elternabenden tauschen wir uns mit den Eltern über das aktuelle
Gruppengeschehen aus und arbeiten gemeinsam an pädagogischen Themen.
Regelmäßig bieten wir Elterngespräche ,für den individuellen Austausch, an. Über Anregungen, konstruktive Kritik und Beobachtungen freuen wir uns.
Uns ist es wichtig, dass Eltern sich ebenso willkommen fühlen wie die Kinder.
Wir begrüßen die Kontaktaufnahme der Eltern untereinander.
Über Unterstützung bei besonderen Aktionen (Sommerfest o.ä.) freuen wir uns.

9. Exemplarischer Tagesablauf

8.00 – 9.00 Uhr Ankommen, individuelle Begleitung jedes Kindes, beim Verabschieden der Eltern. Freies Spielen. Wickeln nach Bedarf.
Bis ca. 10.00 Uhr freies Spiel / Bewegungsrunde , Angebot des Singens , Musizierens je nach Befindlichkeit der Kinder.
Zwischen 10.00 und 10.30 Uhr Frühstücksrunde.
10.30 – 11.30 Uhr Spielen (drinnen/draußen), Wickeln nach Bedarf ,
Vorlesen, Experimentieren in kleineren Interessengruppen, Spaziergänge. Gemeinsames Singen, Tanzen, Musizieren.
12.00 – 12.30 Uhr gemeinsame Obstmahlzeit/ Abschlussrunde
Ab 12.30 Uhr Beginn der Abholzeit